
In den letzten Monaten des Jahres 2025 habe ich den Eindruck gewonnen, dass die große Euphorie um Künstliche Intelligenz abgenommen hat.
Die Versprechungen der KI scheinen oft nicht mit dem tatsächlichen Business-Mehrwert in der Praxis übereinzustimmen.
Liegt es an zu hohen Erwartungen?
Oder war es bei Tech- und Digitalisierungsprojekten noch nie anders?
Ein Kunde von mir hat mal sehr treffend formuliert:
„Ich habe schon viele Digitalisierungsprojekte gemacht. Die Technologie an sich war nur selten das Problem.“
Egal ob CRM, Intranet oder KI, am Ende geht es bei jeder Technologie um folgende Fragen:
„Wird sie von Menschen tatsächlich (adäquat) genutzt oder nicht?“
Ich habe mich in diesem Jahr intensiv mit der menschlichen Seite von KI beschäftigt und möchte hier 6 Erkenntnisse aus Projekten, Workshops und Studien teilen.
Folgende menschliche Faktoren sind meiner Meinung nach wichtig, um die Nutzung von KI zu erhöhen.
1. KI ist ein Führungsthema:
79% der Mitarbeitenden nutzen KI, wenn Führungskräfte dies gutheißen. Tun sie es nicht, sind es nur 34,4% (Irrational Labs 2025).
2. KI-Abfall (AI-Slop) unterbinden:
Seitenlange Konzepte oder Nachrichten, die inhaltlich hohl sind, führen zu großer Frustration im Team. Insbesondere dann, wenn man sich ernsthaft damit beschäftigen muss. Im Durchschnitt brauchen Mitarbeitende 2 Stunden, um den Slop wieder aufzuräumen (BetterUp 2025).
3. Vertrauensvoller Austausch im Team ermöglichen:
Vorbehalte, Ängste und Unsicherheiten im Umgang mit KI kommen häufig erst nach einiger Zeit an die Oberfläche. Um soziale Normen zum Positiven zu ändern, müssen diese möglichst früh gemanaged werden. Und soziale Normen sind ein starker Treiber für die Nutzung von KI.
4. Es gibt keine guten KI-Lösungen:
KI-Lösungen sind im „Vakuum“ weder gut noch schlecht. Es gibt nur Lösungen, die die Erwartungen erfüllen und solche, die es nicht tun. Überzogene Erwartungen sind Gift für die Akzeptanz und Nutzung.
5. Probleme vor Lösungen:
Manchmal wollen Menschen einfach ihr Problem gelöst haben. Dort, wo das KI schneller und besser als ein Mensch machen kann, lauern die wertvollsten Use Cases. Und dort erkennen NutzerInnen am schnellsten den Wert von KI.
6. Alte Prinzipien auf den Prüfstand stellen:
Transparenz im Umgang mit KI erhöht nicht das Vertrauen, sondern kann es sogar senken. Wer durch KI schneller und effizienter arbeitet, kann sein Ansehen verlieren. Je ehrlicher die KI, desto weniger vertrauen wir ihr.
Welche Faktoren sind die wichtigsten?
Dafür gibt es keine pauschale Antwort.
Jedes Unternehmen ist anders, weshalb es auch individuelle Lösungen braucht.
Und manchmal braucht es sogar für einzelne Teams individuelle Lösungen.
Was es aber auf jeden Fall braucht, ist ein “Miteinander” und Neugier füreinander.
Denn so paradox es auch klingen mag: KI hat eine starke psychologische und soziale Komponente.
Und vielleicht eine viel weniger technologische als wir bisher gedacht haben.
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